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Marcel Breuer – legendärer Bauhaus-Designer

Der Freischwinger ist nicht einfach nur ein Stuhl, und Marcel Breuer (1902-1981) ist nicht nur einfach ein Designer. Nein, beide sind mittlerweile feste Bezugspunkte nicht nur der deutschen, sondern auch und vor allem der internationalen Architektur- und Designgeschichte. Breuer hat mit seinen Beiträgen für das Musterhaus „Am Horn“ in Weimar (der „Toilettentisch der Dame“ war sein Gesellenstück) und seinen nachfolgenden Stahlrohrmöbeln kurzfristig für Aufsehen gesorgt und langfristig Geschichte geschrieben. Und auch wegen seiner überwiegend in den USA entstandenen Gebäude gilt Marcel Breuer heutzutage als unumstrittener Meister des Modernismus. In Europa als Pionier der Stahlrohrmöbel und prominenter Vertreter des Bauhauses bekannt, gilt der im heute ungarischen Fünfkirchen geborene Marcel Lajos Breuer in den USA als einer der weltweit renommiertesten Architekten und Industriedesigner. Begonnen hat Marcel Breuer in einem Architekturbüro, wechselte 1920 ans Bauhaus in Weimar, wo er eine Tischlerlehre absolvierte und ab 1925 die Möbelwerkstatt leitete. In dieser Zeit entstand der revolutionäre Sessel Wassily und der erste S-förmige Stahlrohrstuhl. 1928 gründete er in Berlin ein Architekturbüro, 1935 ging er nach London und 1937 auf Einladung von Walter Gropius nach Harvard, wo sie gemeinsam die Architekturfakultät aufbauten und ein Architekturbüro gründeten. 1946 siedelte Marcel Breuer nach New York über und eröffnete dort sein eigenes Büro.

Wie und womit Marcel Breuer weltberühmt wurde

Marcel Breuer ist einer der bedeutendsten Vertreter des Bauhaus-Designs. Seine Stahlrohrstühle, die heutzutage von Thonet produziert werden, sind Designikonen des 20. Jahrhunderts. Mit diesen und vielen weiteren Entwürfen inspirierte Breuer nachfolgende Generationen von Möbeldesignern und Innenarchitekten. Das filigrane Gestell der Breuer’schen Stahlrohrmöbel, ihre geniale Konstruktion und nicht zuletzt die überragende Verarbeitungsqualität der Firma Thonet machen die Möbel zu einem immer noch bedeutsamen Bezugspunkt für zeitgenössische Möbelschöpfer. Die Stahlrohrmöbel von Marcel Breuer werden bis heute nahezu unverändert produziert und erfreuen sich einer nicht nachlassenden Nachfrage; die Stahlmöbel werden außerdem vielfach plagiiert und ziehen immer wieder gerichtliche Auseinandersetzungen nach sich. Wir bei Cairo bieten Ihnen natürlich nur die Originale an – so wie die erwähnten Thonetstühle oder den legendären Wassily Chair. In seiner Jungmeister-Phase am Bauhaus schuf Breuer nämlich eines der berühmten, wenn nicht sogar sein berühmtestes Möbelstück: Der Stuhl B3, auch bekannt als Wassily Chair. Dieser Sessel war schlicht und ergreifend eine Revolution des Möbelbaus. Nie zuvor wurde eine Konstruktion aus Stahlrohren gezeigt, in die einfach nur Lederriemen eingespannt wurden. Ein einziger Stuhl und nur zwei Materialien. Ermöglicht wurde die Entwicklung dieses Stuhls aber auch durch die Innovationen eines traditionsreichen deutschen Metallunternehmens: Mannesmann hat zu Beginn der 1920er Jahre den Prozess zur Produktion nahtloser Stahlrohre endgültig perfektioniert – und damit die Basis geschaffen, auf der Marcel Breuer mit diesem Material experimentieren konnte. Aus dem Nichts hat Marcel Breuer mit dem B3 einen der bekanntesten Wohnzimmer- und Lesesessel der Welt aus der Taufe gehoben, für den sich der Spitzname Wassily Chair einbürgerte – weil sich bis nach dem Zweiten Weltkrieg das Gerücht hielt, das Breuer den Stuhl für Wassily Kandinsky entworfen habe.

Warum Marcel Breuer Designgeschichte geschrieben hat

Doch der Erfolg konnte Breuer nicht dauerhaft an das Bauhaus binden, und so verließ er Weimar und das Bauhaus 1928 gen Berlin, um sich dort als Architekt und Inneneinrichter niederzulassen, der die Innenarchitektur mit bleibenden Inspirationen bereichert hat. Die Arbeit mit Stahlrohren hat Breuer nicht aufgegeben, und auch in seiner Berliner Zeit sind nachhaltig berühmte Möbel entstanden. Schon während seiner Zeit am Bauhaus gründete er gemeinsam mit dem ungarischen Architekten Kalman Lengyel die Firma Standard-Möbel Lengyel & Co., von der die ersten Stahlrohrmöbel produziert wurden – bis 1929 die Firma Thonet die Produktionsrechte übernahm. Breuer hat seine Firma aus eigenen Stücken aufgelöst und Thonet produziert Breuers ergonomischer Freischwinger bekanntlich bis heute. Der Abschied vom Bauhaus Ender der 1920er Jahre leitete Breuers kreativste Phase der Möbelgestaltung ein. Mit den Freischwingern S32 und S64 sind ihm zwei der meistproduziertesten Stahlrohrmöbel der Designgeschichte gelungen, denn wie nur wenige andere Sitzmöbel war der Freischwinger seinerzeit nicht nur eine Designneuheit, sondern auch eine technische Novität, der eine lange Forschung und Entwicklung vorausging. Auffälligstes Merkmal des Freischwingers sind die fehlenden Hinterbeine, die durch die geschwungene Form der Stahlrohre ausgeglichen werden. Der tragende Rahmen besteht aus einem einzigen Stahlrohr, das wie ein grobes ‚S‘ geschwungen ist, rückseitig einmal überläuft und dann die S-Form wiederholt. Zwar geht die konstruktive Idee auf Mies van der Rohe zurück – bei einem Patentstreit 1932 verlor Breuer das künstlerische Urheberrecht, das damals Mart Stam zugesprochen wurde –, doch Breuer perfektionierte das Konstruktionsprinzip des Freischwingers.

Weshalb Marcel Breuer heute immer noch gefeiert wird

Während Marcel Breuer hierzulande vor allem wegen der vorgestellten Möbel immer noch als „der“ ultimative Stahlrohr-Designer wahrgenommen wird, als Schöpfer sagenhafter Freischwinger und des legendären Wassily-Sessels, wird er kaum als Architekt wahrgenommen, als der er nach seiner Emigration Weltruhm erlangt hat. Wegen seines jüdischen Glaubens siedelte Breuer 1933 kurzzeitig zurück nach Ungarn um, bevor er 1933 nach London zog und 1937 endgültig in den USA sesshaft wurde und dort auch eine Familie gründete. Zwar hatte er schon vor seiner Emigration einige vielbeachtete Interieurs für Wohnräume entworfen – unter anderem die Einrichtung für das Haus des Berliner Theaterregisseurs Erwin Piscator –, als primärer Architekt wurde er aber nicht wahrgenommen. Dennoch nahm Walter Gropius ihn in den Bund Deutscher Architekten auf – die Aufnahme war ihm Jahre zuvor noch verwehrt worden, weil Breuer kein Architekturstudium absolviert hat. Gropius war es auch, der Breuers Architektenkariere in den USA entschieden beschleunigte. Gemeinsam gründeten die beiden die Architekturfakultät der Harvard University (eine der renommiertesten Universitäten der Welt), an der Breuer selbst auch als Professor lehrte. 1941 eröffnete er sein eigenes Architekturbüro und machte von da an seinen eigenen Namen zu einer großen Architekturmarke. Für Breuer spielte das Produktdesign seit seiner Instituierung in Harvard eine nur noch untergeordnete Rolle. Breuer wirkte in den USA nur noch als Architekt – und wie! Über einhundert Gebäude hat er realisiert. Seine Appartementhäuser waren luxuriös, seine Kirchen- und Universitätsgebäude spektakulär, seine Auftraggeber die größten und renommiertesten Unternehmen und Institutionen der Welt: die UNSESCO, IBM, die Vereinigten Staaten von Amerika, deren niederländische Botschaft er baute – und nicht zu vergessen Flaine, einen Wintersportort in den französischen Alpen, der komplett nach Breuers Entwürfen gebaut wurde. Marcel Breuer war ein schillernder Superstar, der wie nur wenige andere als moderner Architekt und Architekt der Moderne in die Geschichte einging. Marcel Breuer hat ein architektonisches und produktgestalterisches Erbe hinterlassen, das zu den wichtigsten Werken zählt, die die Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts kennt. Seine Bauweise ist nüchtern und sachlich und international stilbildend. Marcel Breuer zählt auch zu den wichtigsten Schöpfern von Sakralbauten des 20. Jahrhunderts und beeindruckt mit seinen expressiven und kristallinen Betonstrukturen bis heute. Es ist nur allzu typisch für die Biografien und Zeitläufte des vergangenen Säkulums, dass Marcel Breuer erst in den Vereinigten Staaten von Amerika zu endgültigem Ruhm gelangen konnte. Marcel Breuer ist 1981 als einer der berühmtesten und wirkmächtigsten Architekten und Produktdesigner der Moderne im Alter von 79 Jahren in seinem New Yorker Wohnsitz verstorben.