Möbelpflege.
Ein Ratgeber.

Kennen Sie das nicht auch, dass Sie Möbel vor dem Frühjahr wieder an das Tageslicht holen und nicht wissen, wie Sie diese richtig aufzubereiten haben? Und ob Sie die Möbel überhaupt richtig gelagert haben? Oder fragen Sie sich manchmal, wie Sie ein besonderes Designerstück angemessen pflegen sollten? Hier finden Sie einen umfangreichen Möbelpflege-Ratgeber, der über all das – und noch viel mehr – ausführlich Auskunft gibt. Wir wünschen viel Vergnügen bei der Lektüre!



10 Tipps für die Pflege von Holzmöbeln

Möbel machen Spaß, Möbel erleichtern den Alltag, Möbel machen das Leben schlicht und ergreifend schöner. Damit das so bleibt, müssen Möbel aber hin und wieder auch gepflegt werden – erst recht, wenn es sich um hochqualitative und langlebige Designer-Stücke handelt. Hier erhalten Sie 10 wichtige Tipps!

Tipp 1

Pflege sollte zunächst Achtsamkeit heißen. Lassen Sie Ihren Möbeln keine Schäden oder Flecken zukommen. Der Super-Gau: Rotwein.

Tipp 2

Nutzen Sie Ihre Möbel zweckentsprechend. Ein ausladendes Sofa mit Baumwollbezug und Daunenkissen gehört nicht auf die Terrasse, ein Lesesessel mit Lederbezug nicht unter einen blühenden Lindenbaum. Möbel für den Außenbereich sind als solche auch ausgezeichnet.

Tipp 3

Beachten Sie grundsätzlich die Herstellerangaben zur Pflege Ihres Mobiliars.

Tipp 4

Weniger ist mehr. Für die Staubentfernung reicht ein einfaches, fusselfreies Baumwolltuch.

Tipp 5

Staubablagerungen in strukturierten Oberflächen entfernen Sie am besten mit Druckluft, eine kleine (!) Staubsaugerbürste oder ein Pinsel funktionieren ebenfalls und dürften wesentlich häufiger zu Hand sein.

Tipp 6

Polituren beseitigen Schmutz und leichte Kratzer durch ihre abrasive Wirkung. Eine übermäßige Anwendung kann das Holz dauerhaft beschädigen – die Oberfläche von Eschenholz beispielsweise ist nicht für Polituren geeignet. Die Politur niemals direkt auf ein Möbelstück auftragen, sondern immer nur auf das verwendete Reinigungstuch.

Tipp 7

Wachse bilden eine Schutzschicht, die Feuchtigkeit, Schmutz, Dünste und Ruß vorübergehend abweist. Eine Wachsschicht muss in regelmäßigen Abständen erneuert werden und ist höchst empfindlich.

Tipp 8

Öle sind nur für unbehandelte Oberflächen gedacht, denn sie dringen in das Holz ein. Zumeist ist ein mehrmaliges Auftragen nötig, bis das Holz kein Öl mehr aufnehmen kann.

Tipp 9

Testen Sie alle Pflege- und Reinigungsmittel an nicht sichtbaren Stellen Ihres Möbels.

Tipp 10

Kaufen Sie umweltfreundliche Pflegemittel. Hüten Sie sich vor Reinigungsmitteln, die Chlor enthalten – diese wirken aggressiv und sind in Herstellung und Entsorgung höchst umweltschädlich.

Für weitergehende Informationen auch zur Reparatur beschädigten Mobiliars empfehlen wir das Buch „Reparaturen zu Hause“, Stiftung Warentest Berlin 2013, 4. Auflage.


Möbelpflege ist ganz einfach

Wie aber müssen Möbel für den dauerhaften Erhalt gepflegt werden? Neben den allgemeinen Fragen zur Möbelpflege kommen insbesondere Fragen nach der Pflege von Gartenmöbeln auf. Dieser Ratgeber will darauf antworten. In einem ausführlichen Interview gibt Michael Pommer, Trainer an der Do-It-Yourself-Academy in Köln, Auskunft über die Pflege von Holzmöbeln für den Außenbereich, wobei Pommer auch auf Kunststoff- und Metallmöbel zu sprechen kommt. Mit einer umfangreichen Reportage aus der Werkstatt des renommierten Restaurators Harald Sättler wird Einblick gewährt in den Erhalt von erstklassigen Designer-Möbeln. Und zu guter Letzt fasst ein Leitfaden die wichtigsten Punkte der Holzpflege zusammen. Mit diesem Wissen haben auch Sie länger Freude an Ihren Möbeln. Möbelpflege ist ganz einfach. Sie können es auch!


Professionelle Möbelpflege – Einblick in eine Restauratorenwerkstatt
Harald Sättler ist offizieller Thonet-Restaurator!

Auf Stühlen sitzt man nicht nur, man besitzt sie auch. Und wie das mit Besitztümern so ist: Werterhalt ist gut, Wertsteigerung noch besser. Wer einen Möbelklassiker sein Eigen nennt, etwa einen klassischen Stuhl von Thonet oder ein anderes zeitloses Designstück, möchte vielleicht für nachkommende Generationen die Authentizität des Möbels erhalten oder später das Möbel für Sammler restaurieren lassen – ohne die über Jahrzehnte entstandene Patina aufzugeben. Die Patina gehört nämlich zur Originalsubstanz eines Objektes, und wie nur wenige andere Indikatoren gibt sie Auskunft über Alter und Erhaltungszustand und damit den Wert eines Möbels. Die Patina bezeugt die Geschichte eines Möbelstücks.

Vor diesem Hintergrund lässt es kaum staunen, dass ein Restaurator seine ganz eigene Perspektive zum Thema Möbelpflege hat. Und im Gespräch zeigt sich dann: Möbelpflege ist nicht gleich Möbelpflege – erst recht, wenn es um patinierte, restaurierte und mithin wertvolle Antiquitäten geht. Es ist eben etwas anderes, mit einem feuchten Lappen die Frühstücksspuren auf einem fabrikneuen Stahlblechtisch zu entfernen, als einen jahrzehntealten, restaurierten Designklassiker vor den Beanspruchungen alltäglicher Nutzung zu schützen. Deshalb: Vorhang auf für Harald Sättler!

Der Mann der Stühle

Zugegeben: Dass Michelstadt im Odenwald der Nabel der Welt ist, wenn es um Möbelpflege und Restauration von Möbeln im Allgemeinen und Thonet-Möbeln im Besonderen geht, denkt man nicht unbedingt. Mit Verlaub: es ist aber so. Denn in Michelstadt sitzt mit Harald Sättler einer der, wenn nicht DER renommierteste Thonet-Experte und -Restaurator überhaupt. Sättler konserviert und restauriert nicht nur für die Firma Thonet und das assoziierte Thonet-Museum, sondern auch für Kunden deutschlandweit – für Museen und Schlösser ebenso wie für private Liebhaber und Sammler. Wir haben Sättler in seiner Werkstatt besucht, um uns ausführlich über Restaurierung, Erhalt und Pflege von Möbeln zu unterhalten.

Schon die Anfahrt von Norden, tief hinein in den Odenwald, ist ein Augenschmaus. Durch eine schöne Landschaft auf dem Weg zu schönen Möbeln. Betritt man dann die Werkstatt, wähnt man sich in einer anderen Welt. Es riecht, wie es in der fast untergegangenen Welt des Handwerks riecht: nach Lacken, nach Hölzern und nach den Zigarillos, die Sättler raucht. In einem langgezogenen Raum stehen und stapeln sich Möbel aller Epochen, von Barock und Louis-Seize über Biedermeier und Gründerzeit hin zu Jugendstil, Art Deco und Neue Sachlichkeit – Schränke und Modellschränke, Tische und Beistelltische, Fußbänke und Hocker, Vitrinen und Sekretäre und auch Thonet-Raritäten wie einen Rollstuhl und eine Wiege, die nur noch in Museen und ganz selten am Markt zu finden sind. Dazwischen und überall: Stühle, vor allem aber Thonet-Stühle. Denn Harald Sättler liebt Stühle, man hat ihn auch schon „als Mann der Stühle“ beschrieben.

Werkstatt von Thonet Restaurator Harald Sättler

Restaurierung ganz nach Geschmack des Kunden

„Ich restauriere eigentlich Möbel aller Epochen“, beginnt Sättler das schwungvolle Gespräch, dem es an Stoff auch für viele Stunden nicht ermangelt hätte, „aber meine Liebe gilt ganz klar den Stühlen von Thonet!“ Sagt‘s und stellt einen Stahlrohr-Freischwinger aus den 50igern und ein Jugendstil-Modell aus den 1890iger Jahren nebeneinander, um die Restaurierungsschritte zu erläutern. Der Lack ist ab, und das nicht nur sprichwörtlich. Dem Freischwinger sieht man eine harte jahrzehntelange Nutzung an, und im Geflecht des Lehnstuhls sind Reste eines Polsters zu sehen. „Da hat jemand dran rumgepfuscht“, schimpft Sättler. Das Polster war nie vorgesehen an diesem Modell.Um diesen Stuhl wieder in einen ansehnlichen Zustand zu transformieren, wird Sättler das Gestänge des Freischwingers reinigen, die Rostflecken entfernen und den Glanz erhöhen. Die Armlehne fühlt sich nach jahrzehntelanger Nutzung stumpf und speckig an – sie wird gereinigt, die hellen Stellen angebeizt und leicht verschliffen, ansonsten aber in ihrem patinierten Zustand belassen. Wenn nun der Kunde aber doch eine Polsterung bevorzugt? Dann restauriert Sättler natürlich ganz nach Geschmack des Kunden. In Fall des Jugendstil-Stuhls ist dem nicht so, und deshalb wird dieser in seinen Originalzustand zurückversetzt. Wo ein Polster war, wird wieder ein Geflecht sein, das Sättler bei einem Flechter von Hand anbringen lässt. Und wenn dem Kunden die Patina des Freischwingers nicht gefallen würde, dann würde Sättler auch die Armlehnen wieder in ihren Ursprungszustand zurückversetzen.

"Eine irre Arbeit!"

Thonet lässt heute noch alte Kataloge nachdrucken, weshalb sich auch schier irreparable Modelle zuverlässig als Originale identifizieren lassen. Und davon hat Sättler einige auf Lager. Fragmentiertes Gestänge, rissige Sitzfläche, lose Beine – Sättler lässt all dies wieder in neuem Glanz erscheinen. Diese Gabe hat ihn berühmt gemacht und ihm große Artikel in renommierten Zeitschriften wie der „Weltkunst“ beschert. Davon erzählt Sättler nicht ohne Stolz und verweist auf die vielen Zeitungsartikel über ihn, die er zur Lektüre auf einem Tisch ausgelegt hat – darunter ein großer „Weltkunst“-Artikel über die Restaurierung eines Stuhls, an dem noch der Thonet-Gründer persönlich Hand angelegt hat.

"Das herausragendste Möbel, das ich restauriert habe, war ein Bopparder Stuhl, der seinerzeit noch von Michael Thonet selbst gefertigt wurde.“ Der Bopparder Schichtholzstuhl, zwischen 1836 und 1840 produziert und mittlerweile eine teure Antiquität, war der erste Verkaufserfolg des Firmengründers. Und einen solchen hat Harald Sättler für das Frankenberger Thonet-Museum restauriert, der dort als Prachtexemplar ausgestellt wird. Harald Sättler hat einen weiteren zur Restaurierung in seiner Werkstatt stehen, greift sich ihn, streichelt liebevoll über die Lehne und schwärmt von der Konstruktion: „Das Besondere daran ist, dass die Schwünge nicht wie bei den Bugholzstühlen massiv gebogen sind. Das sind alles Furnierstreifen, die in heißem Leimwasser getränkt worden, dann übereinandergelegt und später in Form gebracht worden sind. Eine irre Arbeit!"


Einfache Möbelpflege – raus aus der Sonne, weg mit dem Wasserlappen

Die Leidenschaft, mit der Harald Sättler tut, was er tut, entzündet sich an jedem Objekt aufs Neue. „Ich muss mich mit jedem Möbel intensiv auseinandersetzen, um zu wissen, wie ich es restauriere. Das Möbel muss mir nach der Restaurierung gefallen, sonst verlässt es nicht meine Werkstatt.“ Dass dies eine Firmenphilosophie ist, die der Geschäftsentwicklung auch abträglich sein könnte, weiß Sättler nur allzu genau. Und würde dennoch nie die Wünsche seiner Kunden ignorieren: „Ich nehme die Kunden mit in die Werkstatt. Sie dürfen bei der Restaurierung dabei sein, und wir dokumentieren jeden Arbeitsschritt mit Fotos.“ So entwickelt Sättlers Kundschaft einen intensiven Bezug zu den Stücken, die dort in Auftrag gegeben werden. Der Kunde nimmt Teil an der Geschichte seines Möbels.

Auf die Frage, wie denn ein Möbelstück zu pflegen sei, lacht der Restaurator laut auf: „Der Gedanke, ein Möbelstück pflegen zu müssen, ist völlig verkehrt. Ein Möbel an sich braucht keine große Pflege“, gibt sich Sättler überzeugt, rückt dann aber doch mit seinen Pflegehinweisen raus. „Die meisten und offensichtlichsten Schäden entstehen durch UV-Einstrahlung. Durch direkte Sonneneinstrahlung verblassen die Lacke – helle Hölzer werden dunkler, dunkle Möbel werden heller.“ Auch starke Feuchtigkeitsschwankungen können einem Möbelstück zusetzen, eine gleichmäßige Luftfeuchtigkeit ist immer von Vorteil. Aus konservatorischen Gründen stehen in Museen deshalb immer Luftbefeuchter, und wenn im Winter in Sättlers Werkstatt die Luftfeuchtigkeit zu gering ist, dann „kracht’s hier richtig“.

Möbelpflege-Tipps vom Profi

Ist ein Möbelstück als Wertanlage gedacht und damit Kandidat für eine Restaurierung, empfiehlt Sättler, nicht jedes handelsübliche Pflegemittel zu verwenden. „Viele Pflegemittel enthalten Inhaltsstoffe, die für eine spätere Restaurierung der Tod sind. Ich achte immer darauf, das Pflegemittel kein Silikon enthalten.“ Das ist besonders dann wichtig, wenn Möbel noch mit Naturlacken versehen sind, wie es bei Thonet-Modellen der Fall ist, die vor den 50er Jahren produziert worden sind. Auch der gern genommene feuchte Lappen ist der natürlichen Oberflächenalterung des Holzes nicht unbedingt zuträglich: „Wenn Sie immer wieder mit Feuchtigkeit über das Holz gehen, leidet auf Dauer die Farbintensität. Eine Maserung ist dann weniger gut sichtbar.“ Werden Designklassiker mit dem Ziel gekauft, diese einmal restaurieren zu lassen, empfiehlt es sich, die handelsüblichen Pflegemittel nur sparsam aufzutragen. „Wenn Sie nämlich zu viele Mittel auftragen, dann halten irgendwann keine Lacke mehr.“

Wie auch die Restaurierung, so ist die Pflege eines Möbels letztlich Geschmackssache. So sind die Thonet-Stahlrohre heutzutage nicht hochpoliert und können deshalb anlaufen. Es stellt sich also die Frage: Möchte man das? Die Antwort, wie und ob man sein Stahlrohr pflegt. Wird bei der Restaurierung von Holz ein Naturlack wie Schellack aufgetragen, ist es nach Sättler Empfehlung ratsam, die Antiquität überhaupt nicht mit Pflegemitteln zu behandeln. „Es ginge nur der Glanz verloren. Es reicht, das Möbel mit einem trockenen Baumwolltuch zu entstauben.“

Eine Fahrt zu Sättler lohnt sich

Die Zusammenarbeit mit der Firma Thonet hat sich für Sättler „vor einer gefühlten Ewigkeit“ durch Zufälle ergeben. Ein gesundes Selbstbewusstsein wird das Übrige getan haben. „Weil mich Stühle im Allgemeinen und die von Thonet im Besonderen immer schon interessiert haben, bin ich einfach mal mit meinem ersten restaurierten Breuer-Freischwinger zu Thonet gefahren und ganz unangekündigt bei denen reingeplatzt. Wir sind ins Gespräch gekommen, und irgendwie hat sich dann alles so entwickelt. Der Kontakt bestand und irgendwann kam der erste Auftrag.“ Und Sättler fügt an: „Mittlerweile habe ich schon ziemlich viel für deren Museum restauriert.“ Und so, wie es in seiner Werkstatt ausschaut, wird er noch ziemlich viel zu restaurieren haben. Die Auftragsbücher sind voll. Eine bessere Bestätigung für Sättlers Arbeit kann es kaum geben. Und so ist, wenn man einen Thonet-Stuhl oder ein anderes Möbel restaurieren lassen will, eine Fahrt nach Michelstadt in den Odenwald immer lohnenswert. Auch der schönen Landschaft wegen.

Von Thonet offiziell empfohlen – Harald Sättler

Harald Sättler ist gelernter Holzbildhauer und über das Learning by Doing in die Restaurierung gekommen. Als offiziell empfohlener Thonet-Restaurator hat sich Harald Sättler eine exzellente Reputation in der Antiquitäten- und Designmöbelbranche erarbeitet. Neben Thonet-Stühlen restauriert Sättler auch Möbel aus allen anderen Epochen und berücksichtigt dabei auch ausgefallene Kundenwünsche. Der Thonet-Empfehlung können wir uns vorbehaltlos anschließen.

Antiquitäten und Restaurierung historischer Möbel
Harald Sättler
Frankfurter Straße 37
64720 Michelstadt
06061-705666
info@hsaettler.de
www.hsaettler.de

„Wer Möbel sommerfit macht, muss sie auch winterfit machen“
Ein Interview über die Pflege von Möbeln im Aussenbereich

Michael Pommer ist Trainer an der DIY-Academie in Köln. Als Schulungsinstitut informiert, berät und schult die DIY-Academy in nahezu allen Bereichen rund um das Heimwerken in Haus und Garten. Die DIY-Academy verfolgt dabei das Ziel, Menschen mit kreativen Ideen zu inspirieren und das nötige Know-how zu vermitteln, mit dem sie ihr Zuhause selbst gestalten können. Versierte Heimwerker sollen sich ebenso angesprochen fühlen wie Selbstmacher mit grundlegenden Kenntnissen und Einsteiger ohne Praxiserfahrung. Heimwerkerkurse, Tipps und Anregungen bietet die DIY-Academy online unter www.diy-academy.eu/

Michael Pommer - DIY-Academie

Herr Pommer, der Frühling naht, und wir wollen unsere Gartenmöbel wieder rausstellen. Gibt’s da bei der Möbelpflege etwas zu beachten?

Aber ja! Wenn Sie Gartenmöbel für den Sommer auffrischen wollen, müssen Sie sich auch fragen, ob Sie diese überhaupt für den Winter präpariert haben? Wer Möbel sommerfit macht, muss sie auch winterfit machen.

Man muss Möbel also auch pflegen, damit sie richtig überwintern können?

Ja, am besten zweimal jährlich. Nicht einfach ohne Behandlung wieder in die Garage oder den Keller stellen – es sei denn, sie mögen die Spuren der Alterung. Wenn Sie Ihren Möbeln eine gute Behandlung zukommen lassen wollen, müssen Sie zwischen Weichholz- und Hartholzmöbeln unterscheiden. Außerdem gibt es Metall- und Kunststoffmöbel.
Als Hartholz findet man unter Möbeln für den Außenbereich häufig Teak, das sich sehr gut für den Außeneinsatz eignet. Teakhölzer haben im Gegensatz zu Weichhölzern einen hohen Säureanteil, eine hohe Dichte und Härte und bringen dadurch schon einen ziemlich wetterresistenten Eigenschutz mit. Teakhölzer haben eine schöne natürliche Farbe, die sich aber durch ultraviolettes Licht, also durch Sonneneinstrahlung, bei ausbleibender Pflege schnell in ein stumpfes Grau umsetzt.

Ist das schlimm?

Nein, das nicht. Der bequeme Nutzer solcher Möbel wird von einer „Patina“ sprechen, um die Verfärbung positiv zu bewerten. Der geneigte Nutzer dieser Möbel findet diese Patina „hässlich“ und wird dafür Sorge tragen, dass diese Patinierung nicht einsetzt.

Wie machen wir das, wenn wir geneigter Nutzer sind?

Die Patina können Sie nur dauerhaft verhindern, wenn Sie Ihre Teakmöbel ein- bis zweimal im Jahr entsprechend ölen. Und das machen Sie am besten, bevor Sie die Möbel für den Winter einlagern, und nachdem Sie die Möbel für den Sommer wieder hervorgeholt haben.

Wir tragen also einfach ein Öl auf?

Im Regelfall sollten die Möbel vor der Ölung mit warmen Wasser und einer entsprechenden Bürste gereinigt werden, hierfür empfehle ich immer Wurzelbürsten. Damit kann man die Möbel richtig schön abschrubben, das macht dem Holz auch nichts aus – ganz im Gegenteil, wenn das Holz ein bisschen Wasser aufnimmt, ist das wie Hautpflege mit einer Feuchtigkeitscreme. Das Teakholz braucht immer eine gewisse Grundfeuchte, sonst kann es rissig werden und an der Oberfläche deutlich einreißen.

Es macht den Möbeln also nichts aus, sie Wind und Wetter auszusetzen?

Nein, Außenmöbel sind doch dafür gedacht – was aber nicht heißt, dass sie nicht gepflegt werden sollten. Wenn Sie die Möbel in der Sonne stehen lassen, dann müssen Sie sie auch im Regen stehen lassen, sonst trocken sie aus. Solange die Möbel durch ein entsprechendes Öl geschützt sind, ist die Feuchtigkeitsaufnahme unproblematisch gering, und darum geht es ja: Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufzunehmen, damit das Holz leben kann.

Zu welchen Ölen raten Sie?

Greifen Sie immer zu natürlichen Ölen, die Sie überall in Bau- und Fachmärkten als Zubehör kaufen können. Verwenden Sie keinesfalls Chemie-Keulen! Grundsätzlich rate ich immer auch von Lasuren ab, denn Lasuren lassen sich schlecht entfernen. Wenn Sie jedes Jahr die Lasur nachtragen, haben Sie irgendwann eine Dickschicht-Lasur auf Ihren Möbeln, die platzen und abblättern kann. Und das ist erst recht hässlich!

Wie tragen wir das Öl am besten auf?

Ganz einfach: mit einem Pinsel. Es gibt Kunden, die gerne mit Spritzpistolen arbeiten und dafür gibt es die verschiedensten Spritzpistolen am Markt. Das kann man machen und das geht auch schneller. Aber: Wenn Sie mit einem Pinsel arbeiten, massieren Sie das Öl in das Holz ein. Mit einer Spitzpistole wird das Öl nur oberflächlich aufgetragen. Insofern erreichen Sie mit einem Pinsel das bessere Ergebnis, der Farb- und Ölauftrag ist einfach gleichmäßiger. Sie können vor dem Ölen Ihre Möbel auch mit einer Messingbürste bearbeiten. Messing ist ein weiches Metall und tut dem Holz nichts an. Bei tropischen Hölzern – Eukalyptusholz, Mahagoni, Teak und Palisander sind als die gängigsten zu nennen – muss es immer eine Messingbürste sein, denn die Stahlbürste würde in Verbindung mit Feuchtigkeit und der natürlichen Säure im Holz die Farbe ins Pechschwarze übergehen lassen.

Und wenn wir uns bislang nicht um die Möbelpflege gekümmert haben?

Dann ist noch nichts verloren! Wenn Sie versäumt haben, Ihre Möbel zu pflegen und diese bereits eine Patina angesetzt haben, dann gibt es von diversen Herstellern Reinigungsmittel, die Oxalsäure enthalten. Oxalsäure kennt man auch als Kleesäure. Das ist zwar ein hochgiftiger Stoff, aber in der Verdünnung, in der die Säure verarbeitet wird, sorgt diese dafür, dass das Holz „entgraut“ wird und wieder seinen natürlichen Farbton erhält. Ist die Patina dann entfernt, sollten Sie Ihr Möbel gründlich mit viel Wasser abwaschen, damit die Reinigungsmittel wieder abgetragen werden. Danach sollten Sie das Möbel mindestens 48 Stunden trocknen lassen. Sie können dann etwaig aufgeraute Stellen mit feinem Schleifleinen beischleifen. So können Sie die Holzoberfläche wieder glätten, und damit haben Sie die Gefahr gebannt, an den aufgerauten Stellen Ihre Bekleidung zu beschädigen.

Können wir nicht einfach zum Hochdruckreiniger greifen?

Doch, aber das ist eine zu bequeme und keinesfalls optimale Lösung. Tropenhölzer sind zwar sehr hart, halten Sie aber dennoch mindestens 80 Zentimeter Abstand. Andernfalls wird das Holz rau, weil weiche Holzanteile ausgespült werden. Vorsicht auch bei Weichhölzern: Die werden stark faserig und müssen nach einer Hochdruckreiniger-Behandlung geschliffen werden. Es wäre besser, darauf zu verzichten. Wasser und Wurzelbürsten reinigen immer noch am besten, allenfalls Kernseife kann dem Wasser noch hinzugefügt werden.

Unterscheidet sich denn die Pflege von Hart- und Weichhölzern?

Oh ja, ganz gewaltig. Ein Hochdruckreiniger wäre für ein Weichholzmöbel tödlich. Ein Hartholz hat durch seine Dichte einen gewissen Eigenschutz und wird auch nicht von Holzwürmern befallen. Ein Tropenholz fängt auch bei Bodenfeuchte erst nach Jahrzehnten an, zu gammeln. Ein Weichholzmöbel aus Kiefer oder Birke hingegen müssen Sie unbedingt gegen stehende Feuchtigkeit schützen. Ein ungepflegtes und ungeschütztes Weichholzmöbel im Freien verliert nach zwei, drei Jahren deutlich an Ansehnlichkeit und Qualität.

Wie erhalten wir Weichholzmöbel?

Bei Weichholzmöbeln sollten Sie zur Lasur greifen. Verwenden Sie nach Möglichkeit keinen Lack. Der Unterschied zum Lack besteht nämlich darin, dass der Lack nur der Oberfläche anhaftet, während die Lasur in die Oberfläche einzieht. Lacke sind in der Regel nicht so diffusionsfreudig wie Lasuren. Diffundieren heißt, das Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf in das Holz einziehen und auch wieder ausgetragen werden kann – das Holz kann also atmen. Wenn Sie ein Weichholz lackieren, kann es zu einem Feuchtigkeitsstau kommen, der sich als Wasserdampf unter dem Lack bemerkbar macht. Sie haben dann kleine Blasen unterm Lack, in denen sich Wasser sammelt und den Lack abplatzen lässt. An diesen Stellen ist Ihr Möbel dann natürlich auch nicht mehr geschützt. Deshalb würde ich bei Weichholzmöbeln immer mit Lasuren arbeiten.

Kann ich denn Kunststoffmöbel unter Hochdruck reinigen?

Auch das ist eigentlich nicht notwendig. Aufgesprühte Kunststoffreiniger, die in diesem Fall leicht chemisch sein dürfen, sind hilfreicher. Diese lassen Sie einige Zeit einwirken und spülen sie dann mit einem Gartenschlauch ab. Mit einem Hochdruckreiniger entfernen Sie nur oberflächlich anhaftenden Schmutz. Was tief in die Poren des Kunststoffs eingedrungen ist, lässt sich mit einem Hochdruckreiniger nicht entfernen. Kunststoff ist ein relativ weiches Material, und mit einem Hochdruckreiniger könnten Sie sogar den Schmutz nur noch tiefer in die Poren pressen. Ein Kunststoffreiniger wäre also das Mittel der Wahl. Dieser pflegt Ihre Möbel durch Oberflächenversiegelung und verzögert dadurch das Vergilben – der typische Grauschleier tritt dann weniger stark auf.

Und wie gehen wir unsere Metallmöbel an?

Mittlerweile sind viele Gartenmöbel aus Aluminium. Aluminium ist nicht rostend, sondern nur eloxierend, sprich es bildet sich eine leicht graue Blüte, rostet aber nicht durch. Wenn bei Möbeln aus anderen Metallen der Lack abplatzt, beginnt das Material darunter zu rosten. Rost können Sie abbürsten, aber es gibt dafür auch Rostumwandler, die den Rost in Metall umwandeln. Und das können Sie dann wieder lackieren. Die Lackschichten können Sie mit Lackshampoos aus dem Autozubehör oder entsprechenden Reparaturlacken behandeln.

Aufwendige Handarbeiten ...

... die händische Pflege Ihrer Gartenmöbel bedeutet natürlich mehr Arbeit! Wenn Sie gute Möbel gekauft haben und gutes Geld investiert haben, dann müssen Sie auch etwas Arbeit in den Erhalt des Wertes investieren. Und das sollten Sie sich mit einem Hochdruckreiniger nicht zu einfach machen. Ich sage immer: des Deutschen liebstes Möbelstück ist das Auto, und das pflegen auch nur die wenigsten mit einem Hochdruckreiniger. Hier wird liebevoll Hand angelegt. Pflegen Sie Ihre Möbel wie Ihr Auto!

Herr Pommer, vielen Dank für das Gespräch.

Gerne, hoffen wir auf einen schönen Sommer mit viel Zeit im Freien!